Hallo zusammen,
eigentlich wollte ich im nächsten Jahr mit meinem SPL-F-Schein anfangen, der ja mit 4000-5000 Euro noch im Rahmen liegt. Aber nachdem selbst die sparsamsten Dreiachs-Highend-ULs 80-100 Euro/Flugstunde kosten (Tendenz mit Spritpreisen steigend), habe ich noch mal nach Lösungen gesucht, möglichst billig in die Luft zu kommen. Irgendwie bin ich dabei auch über Fixed-Base-Simulatoren und Home-Cockpits gestoßen.
Trotz Kenntnis der Preisniveaus in der Aero-Industrie war ich überrascht, dass man für ein "Spielzeug" wie ein Homecockpit so viel Geld ausgeben kann. Noch überraschter war ich aber, dass man schon in die klapperigsten Homecockpits tausende von Euros stecken kann. Bei Flightdecksolutions und Cockpitsonic bin ich dann über die Preise der Fixed-Base-Simulatoren gestolpert, welche mit geschätzten Anschaffungsgesamtkosten von 65.000-150.000 Euro in der Preisklasse von modernen Dreiachs-Ultraleichtflugzeugen wie der Remos G3 oder der Flight Design CTLS liegen.
Deshalb schoss mir der Gedanke durch den Kopf: Wenn es in Deutschland zig Motorflugvereine gibt, deren Mitglieder sich gerade mal ein bis zwei VFR-only Flugzeuge teilen, warum gibt es dann keinen Simulatorflugverein? Immerhin baut man sich ja ein Homecockpit, um zu fliegen, oder?
Ich habe mir also mal die Mühe gemacht und recht pessimistisch die Sache durchgerechnet.
Nehmen wir mal an, der Simulator würde
- ehrenamtlich in einem Luftsportverein betrieben
- Hardware/Software/Shell/Vis-System all-inkl. 150.000 Euro Anschaffung kosten (exkl. Montage)
- 1200 Euro monatliche Fixkosten, u.a. für Raummiete, DSL, Versicherung, Vereinsnebenkosten, Rücklagenbildung für Computer/Beamer/LCD-Ersatz (alle zwei Jahre Austausch) verursachen
- und pro Stunde 8 Euro variable Kosten erzeugen (6 Euro für Strom, 2 Euro für Beamerlampen)
Die Kostenberechnung ist recht großzügig, z.B. habe ich für neue Computer mit 2.500 Euro pro Computer gerechnet und die Beamerlampenkosten sollten eigentlich bei Austausch der Beamer alle zwei Jahre nicht mal anfallen.
Als zweites nehmen wir mal (willkürlich) an
- dass auf dem Simulator normalerweise von 17-24 Uhr Di-Fr geflogen werden kann, und am Wochenende von 9-23 Uhr (Mo habe ich mal als Werkstatttag reserviert)
- nur 60-65% der möglichen Flugzeit pro Woche steht überhaupt zur Verfügung (z.B. weil terminlich nicht optimal geststaffelt werden kann, weil zwischen zwei Flügen eine Pause ist, oder weil man den Simulator kurzfristig reparieren muss)
- überhaupt nur in 80% der möglichen Gesamtjahreszeit "Saison" ist
- und 90% der Flugstunden in einer Zwei-Mann-Crew absoviert werden
In dieser Zeit können dann
- 34 Piloten pro Woche je einen 2h-Flug machen (17 Flüge)
- 20 Piloten pro Woche je einen 3h-Flug machen (10 Flüge)
- 16 Piloten pro Woche je einen 4h-Flug machen (8 Flüge)
Berücksichtig man dies, wären z.B. folgende "Haltergemeinschafts"-Lösungen möglich (jeweils Kapitalzinsen eingerechnet):
- Schnell abbezahlt:
40 Piloten teilen sich den Sim -> 60 Flugstunden im Jahr frei
(=5h/mtl.) für 150Euro mtl. Beiträge (Sim ist nach 2,5 Jahren abbezahlt) - Hohe Verfügbarkeit:
20 Piloten teilen sich den Sim -> 60 Flugstunden im Jahr frei (=5h/mtl.) für 150Euro mtl. Beiträge (Sim ist nach 7 Jahren abbezahlt) - Günstig bei hoher Verfügbarkeit:
40 Piloten teilen sich den Sim -> 36 Flugstunden im Jahr frei
(=3h/mtl.) für 79Euro mtl. Beiträge (Sim ist nach 7 Jahren abbezahlt)
Oder anders gerechnet: Bei 40 Piloten trägt jeder einen Anteil von 3.750 Euro für den Sim und bei 20 Piloten jeder einen Anteil von 7.500 Euro.
Wenn man die folgenden Fakten bedenkt, wird schnell klar, dass diese Summen eigentlich für das Hobby Fliegen günstig sind:
- SPL-F Lizenz kostet 4000-5000 Euro, PPL-N >6000, PPL-A (JAR-FCL) >9000
- Charter einer C42B: 82 Euro/h, Charter einer Remos/CTSW/CTLS: 100-120 Euro/h, einer Cessna 172: 132-160 Euro/h und einer Beech Baron 300-450 Euro/h
- Allein 6h/Jahr "Scheinerhalt" für SPL-F fliegen kostet 70 Euro im Monat bzw. 840 Euro im Jahr bzw. 5040 Euro in 6 Jahren
- Sinnvolle mit 30h/Jahr im Cockpit eines Ultraleichtflugzeugs kosten 225 Euro/mtl. bzw. 2700 Euro/Jahr bzw. 16200 Euro in 6 Jahren
- 4er Haltergemeinschaft einer Remos G3 (mehr nicht möglich, da das Gerät nur VFR kann und somit zeitlich nur eingeschränkt verwendbar): 22500 Euro Anteil pro Person plus 30 Euro/Flugstd.
- 737-Homecockpit: Ein MCP kostet 400 Euro, eine CDU kostet 1000 Euro, ADF/NAV/COM-Radios je 200 Euro, EFIS 280 Euro, PC 1000 Euro, Beamer 400 Euro, TFTs 600 Euro = 4.280 Euro... und noch nicht mal Yoke, Throttle etc.
Somit liegt ein großer, vereinsbetriebener Fixed-Base-Simulator durchaus unter den Kosten eines Homecockpits Und das bei einem deutlich höheren Realitätsgrad.
Die ganze Rechnung habe ich, wie gesagt, Kostentechnisch sehr großzügig gemacht. Der Simulator wird mit zu 42% (20Piloten a 36h) - 85% (40Piloten a 60h) der maximalen realistischen Auslastbarkeit betrieben, so dass auch jeder Pilot seine Stunden "verfliegen" kann - Hier muss man auch bedenken, dass (wie bei den Luftsportvereinen) zu den Zeiten im Flusi auch Zeiten außerhalb dazukommen, wie z.B. Flugvorbereitung, Unterstützung der gerade fliegenden Piloten als ATC und Hilfe bei Wartungsarbeiten. So wird aus 3h/mtl. Flusizeit gleich ein zeitraubendes Hobby mit 15h/mtl. Zeitverbrauch.
Die Laufzeit von 7 Jahren für das Abbezahlen des Simulators hört sich auch erst mal wild an, doch man sollte auch bedenken, dass z.B. die Flusi-Rechner und das Projektionssystem alle 2 Jahre komplett gewechselt werden und somit die Technik "unter der Haube" immer auf dem neusten Stand ist und der Simulator über einen gewissen Wiederverkaufswert verfügt - Wegen der Unsicherheit des Modells habe ich aber den Simulator einfach mal komplett auf den jeweiligen Abzahlungszeitraum abgeschrieben. Zuletzt sollte man noch bedenken, dass ich mit einem 150.000 Euro Simulator gerechnet habe. Ein aus Einzelteilen bestehender Simulator, der nur noch durch verschrauben/USB-Kabel einstecken endmontiert werden muss, kostet bei FlightDesign ca. 53.000 Euro (A320), bei Cockpitsonic 45.000 Euro (B737). Wenn man für Computer, Software und Visual-System (TFTs, Projektoren, Leinwände) noch 16.500 Euro ansetzt, dann ist man bei 61.500-70.000 Euro für den Simulator, wodurch bei 150 Euro/mtl. 20 Piloten mit je 60 Flugstunden nach 2 Jahren ihren Simulator abbezahlt haben bzw. man bei 7-jähriger Finanzierungsperiode auf 10 Piloten/Simulator bei 150 Euro/mtl @ 60 Flugstunden heruntergehen kann.
Lange Rede, kurzer Sinn: Was haltet ihr davon? Stellt Euch mal vor, dass die Motorsportgruppe Buxtehude-West e.V. sowas anbietet. Würdet ihr bei da mitmachen wollen? Oder ist das eigene Cockpit im Keller doch wichtiger als der Mega-Sim im Flugplatzhangar?
EDIT: Kleiner Nachtrag. Dieser Beitrag soll natürlich nicht das HomeCockpit-Bauen wegen des HomeCockpit-Bauens an sich in schlechtes Licht stellen. Nur ist eventuell jemand, der mehr fliegen aber wenig basteln will, in einem Pro-Simulator glücklicher.
Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Bendr« (14.09.2008, 03:08)